Sonntag, 6. März 2011

Auf zur Nordinsel

Nach einem Besuch von Nelson fuhren wir nach Picton, von wo aus zwei Fährunternehmen die Überfahrt zwischen Nord- und Südinsel anbieten. Im Gegensatz zu den Schiffen, mit denen wir bisher gefahren sind, war dieses natürlich eine Nummer größer. Mit einer Dreiviertelstunde Verspätung ging es los. Die erste Stunde fährt man durch die idyllische Fjordlandschaft der Marlborough Sounds. Dann geht es weiter über die Cook Strait in den großen Naturhafen von Wellington, der Hauptstadt Neuseelands. Auch hier zeigte sich mal wieder, dass wir alles andere als seetauglich sind. Wir haben uns zwar tapfer geschlagen, waren aber, wie bei allen anderen Schiffstouren auch, sehr dankbar, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Also Steffi, mit der Kreuzfahrt...da müssen wir nochmal drüber reden ;-)



Im Hafen von Wellington machte uns der Kapitän dann auf die "Queen Mary 2" aufmerksam, die wegen des Erdbebens nicht in Lyttelton, sondern in Wellington angelegt hatte. Als eines der weltweit größten Passagierschiffe war "sie" natürlich schwer zu übersehen ;-)


Wellington ist eine sehr nette Stadt. Die Tage vergingen wie im Flug und am Ende hatte ich gar kein Foto gemacht...hmm. Also wer etwas von Wellington sehen will, fährt am besten selbst schnell mal vorbei ;-) Der Besuch des Te Papa, des Nationalmuseums, lohnt sich auf jeden Fall. In diesem toll gestalteten Museum erfährt man alles über die Natur, Geschichte und die Einwohner Neuseelands. Jetzt wissen wir, dank eines Simulators, wie sich ein Erdbeben anfühlt und haben einmal die Welt durch die Augen eines Schafes betrachtet.
Von Wellington aus fuhren wir Richtung Norden nach Napier. Diese Stadt wurde 1931 bei einem schweren Erdbeben fast vollständig zerstört. Doch statt zu resignieren wurde die Stadt komplett neu aufgebaut...allerdings im Art Déco Stil. Dazu wurden Architekturstudenten und Arbeitslose des Landes nach Napier geholt. Gepaart mit dem sonnigen Wetter machte die Stadt auf uns einen locker leichten Eindruck. Alles ist super gepflegt und mit den vielen Palmen könnte man sich auch vorstellen, irgendwo in Miami zu sein ;-)











Freitag, 4. März 2011

Abel Tasman National Park

Jeder, der schonmal in Neuseeland war, nennt den Abel Tasman National Park als eine der Attraktionen, die man unbedingt besuchen sollte. Also machten auch wir uns auf den Weg in den Norden der Südinsel zum kleinsten Nationalpark Neuseelands. Entlang der vielen kleinen Buchten kann man schöne Wanderungen unternehmen. Wer die ganze Küste entlang wandern will, kann den Abel Tasman Coastal Track laufen, bei dem man 51 km vom einen zum anderen Ende an der Küste entlang wandert. Eine weitere Möglichkeit ist die Erkundung der vielen Strände mit dem Kajak. Da man einige Buchten nur bei Ebbe passieren kann, boomt das Geschäft der sogenannten Wassertaxis, die einen zum gewünschten Punkt bringen, so dass man nur eine Strecke wandert und eine mit dem Taxi fährt, da beides aufgrund der Gezeiten häufig nicht möglich ist.


Wir wanderten einfach so drauf los und kürzten den Weg bei Ebbe etwas ab. Das war zwar nicht ganz wie an der Nordsee aber trotzdem schön...




Der Weg führt durch üppigen Regenwald. Durch das dichte Grün sieht man immer wieder die schönen Strände. Natürlich kann man jederzeit zu diesen runtergehen und eine Badepause einlegen ;-)









Wie so häufig in Neuseeland hatten wir im Nationalpark kein Netz. Deshalb waren wir, wie ich schon im letzten Beitrag geschrieben habe, sehr schockiert, als wir vom Erdbeben in Christchurch hörten. Seitdem verfolgen wir natürlich so gut es geht die Ereignisse. Eine Woche nach dem Erdbeben gab es hier um 12.51 Uhr 2 Schweigeminuten. Zu dem Zeitpunkt befanden wir uns gerade in einem riesigen Supermarkt (ähnlich wie Metro). Es gab eine Durchsage, dass gleich die Musik ausgemacht wird und für 2 Minuten der Opfer des Bebens gedacht werden soll. Das war schon eine krasse Situation. Im einen Moment noch geschäftiges Treiben und im nächsten Stille, als hätte jemand die Pausetaste gedrückt. Dann ging die Musik wieder an und als hätte jemand gesagt "rührt euch" lief alles wie gewohnt weiter. Abgesehen davon, dass die Kassiererin sich noch die verwischte Schminke aus den Augen wischen musste...

Donnerstag, 24. Februar 2011

Es geht uns gut!

Für alle, die sich wegen des erneuten Erdbebens in Christchurch eventuell Sorgen um uns gemacht haben: es geht uns gut! Wir haben uns zum Zeitpunkt des Bebens im Norden der Südinsel, im Abel Tasman National Park,  aufgehalten und da dort das Netz so schlecht war, haben wir auch erst gestern durch die Mailflut in unseren Postfächern davon erfahren. Es ist wirklich schockierend und schlimm für uns, die Orte zertrümmert zu sehen, die wir vor drei Wochen noch intakt gesehen haben. Es ist schon ein bisschen verhext, aber wir haben, nachdem wir nun einer A380 Notlandung, Überflutungen, Zyklonen, Buschfeuern und Erdbeben rechtzeitig entkommen sind, nicht vor, in den letzten Tagen etwas daran zu ändern...

Montag, 21. Februar 2011

Ice Climbing am Franz Josef Glacier

Nach einer Übernachtung in Wanaka, einer Stadt, die wie Queenstown als Ausgangspunkt für viele Outdooraktivitäten dient, machten wir uns auf den Weg zur Westküste. Hierbei ändert sich die Landschaft während der Fahrt merklich. Man passiert eine Wetterscheide, so dass die kargen Berge verschwinden und einem üppigen grünen Regenwald Platz machen. Nach dem Motto "Kennst du einen, kennst du alle" ließen wir den Fox Glacier aus und begaben uns direkt zum Franz Josef Gletscher. Dieser 12 km lange Gletscher wurde 1865 von dem deutschen Julius von Haast nach Franz Josef I. von Österreich benannt. 
Da man auf eigene Faust nur an den Fuß des Gletschers kommt, buchten wir auch hier wieder eine Tour. Eine einfache Gletscherwanderung war uns jedoch nicht genug...Ice Climbing sollte es sein. Also mussten wir zur Abwechslung mal richtig früh aufstehen und begaben uns zum Büro der Galcier Guides. Dort erwarteten uns die zwei Guides AJ und Joe. AJ sprach einfach unglaublich schnell und war kaum zu verstehen. Und auch Joe, bei dem sich nicht nur der holländische Akzent im Englischen, sondern auch noch ein tonisches Stottern auf die Verständlichkeit auswirkte, machte es uns nicht leicht.
Zunächst wurden wir und die sechs anderen Teilnehmer mit dem notwendigen Equipment ausgestattet. Jeder hatte seinen Rucksack selbst zu packen. Mit dem Bus fuhren wir dann zum Gletscher.
An dieser Stelle fragte uns Joe, wie weit wir die Entfernung bis zum Gletscher schätzen würden. Es sah wirklich nicht weit entfernt aus, aber waren immerhin 2,5 km. 
Also los....

Eine bunt gemischte Truppe mit einer Irin, drei Engländern, einem Dänen, einer Schweizerin und uns.


Ja, alles richtig packen...


Ab dieser Stelle darf man nur noch mit einem Guide weiterlaufen. Unter dem Geröll befindet sich bereits der Gletscher. Die Überquerung dieses Bergs war die erste Höchstleistung, die uns an diesem Tag abverlangt wurde, denn es ging einfach steil nach oben und der Schutt machte das Laufen genauso wenig leichter, wie der schwere Rucksack auf den Schultern. Da fragt man sich doch, warum man so viel Geld dafür bezahlt, gequält zu werden. Das Geld müsste doch zumindest für einen Muli reichen ;-)



Aber irgendwann waren wir über den Berg und nun hieß es: Ausrüstung anlegen. Dazu gehörten Regenhose, Regenjacke, Mütze, Handschuhe, Gurt, Schuhe, an denen man die Steigeisen befestigen kann, und natürlich ein Helm.




Es kann losgehen...


Mit Steigeisen zu laufen muss auch erstmal geübt werden. Heiko hatte das ja letztes Jahr in Norwegen bereits versucht, aber wenn man das erste Mal solche Dinger an den Füßen hat, muss man schon Vertrauen haben. Nach einem kurzen Fußmarsch kamen wir an der Eiswand an, an der wir klettern wollten...


AJ und Joe präparierten die Wand und befestigen die Haken und Seile.


Tja, und dann kam die Frage: "Wer will anfangen?" Verlegenes Schweigen...Heiko meldet sich...puh! Naja und da ich neben ihm stand, wurde ich auch gleich noch rangeholt, schließlich gab es ja zwei Stellen zum Klettern. Keinen Plan davon, wie man da hoch kommt, legten wir los. Mit zwei Eispickeln, die nicht ohne Grund auf einer Seite gepolstert sind, damit man sich nicht die Zähne raushaut, ging es los. Natürlich ist man durch ein Seil gesichert. Man muss zunächst ein Gefühl für das Material bekommen und eine Meeeenge Vertrauen in selbiges haben. Völlig fertig kamen wir oben an. Unserer erster Reflex war, über die Kante zu klettern und wieder runter zu laufen, aber natürlich seilt man sich ab. Das hatte uns nur vorher keiner gesagt ;-)
Danach waren die Anderen dran und wir konnten uns erstmal wieder erholen.



Heiko mit Engelchen und Teufelchen ;-)

 

Ein Tipp von AJ für Heiko war, die Wand, die ich zuvor erklommen hatte, mit nur einem Eispickel zu versuchen, denn so wäre Heiko mehr gezwungen, seine Beine einzusetzen und sich weniger mit den Armen hochzuziehen. Also los...diesmal konnte ich fotografieren.




Geschafft!


Und wieder abseilen...


Die Wand war übrigens ca. 15 m hoch. Wenn ich weiter so mache, therapiere ich noch meine Höhenangst weg, wobei das Abseilen für mich der schlimmste Part war...ich durfte halt nur nicht nach unten gucken...


Ich versuchte mich an der gleichen Wand nochmal. Diesmal ging es so viel leichter und ich hab bestimmt nur die Hälfte der Zeit gebraucht.




Oben!



Heiko versucht sich an der schwierigsten Wand, die kaum Vorsprünge oder Taschen zum Einhaken bietet und zudem einen Überhang hat...ein echter Kraftakt!






Und nun nochmal ich. Es sieht als Außenstehender so einfach aus, aber wenn man an dieser Wand hängt und die Arme kaum noch spürt, ist es alles andere als das. Ich weiß nicht, wie oft ich abgerutscht bin, bevor ich über die Kuppe rüberkam...


So sieht es dann aus, wenn man abrutscht...dann hängt man da ;-)



Nach über 5 Stunden klettern, machten wir uns wieder auf den Rückweg. Diesmal gab es noch eine Gletscherführung.






Natürlich laufen wir nur auf präparierten, sicheren Wegen...






Nach 9 Stunden sind wir wieder zurück im Ort. Alle sind völlig fertig und wissen schon genau, wo sie am nächsten Tag Muskelkater haben werden. Ich belohne mich mit einem Besuch in den Franz Josef Hot Pools...die perfekte Wahl nach so einem Tag auf dem Eis. Trotzdem ist der Muskelkater bei uns beiden am Folgetag so schlimm, dass selbst das Lenken beim Auto fahren weh tut. Nichtsdestotrotz war dieser Ausflug eines meiner größten Highlights dieser Reise und wir werden bestimmt bald mal wieder klettern gehen, wenn auch nicht auf einem Gletscher :-)