Donnerstag, 3. Februar 2011

Tasmanien II

Auf der Tasman Peninsula befindet sich die größte Touristenattraktion der Insel. In Port Arthur kann man die ehemalige Strafkolonie bewundern, die 2010 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde. Dazu aber später mehr, denn auf dem Weg dorthin gab es wieder ein paar kleinere Attraktionen.
Den Tasmanischen Teufel haben wir leider nur auf diesem Schild gesehen...



Mal wieder eine Naturbrücke...

 

Die Pirate Bay...


Die Halbinsel ist nur über eine schmale Landbrücke (400 m breit) mit dem Festland verbunden. An diesem sogenannten Eaglehawk Neck gibt es Naturpflastersteine. Durch die Witterung wurden in den Felsen rechteckige Vertiefungen gebildet, die aussehen wie richtige Pflastersteine. Man kann gar nicht glauben, dass dies nicht von Menschenhand entstanden ist.





Eine Nacht verbrachten wir in der Lime Bay im Nordwesten der Halbinsel, wo ein abgelegener Campspot zum Verweilen einlud. Dort konnte man nichts weiter machen, wenn man nicht wie die Aussies sein Boot dabei hatte. So haben wir mal wieder einen Lesetag eingelegt....bei so tollem Ausblick immer wieder schön.




Am Freitag besuchten wir dann die ehemalige Strafkolonie. Dort ist alles auf den Besuch von Touristen ausgerichtet und bestens organisiert. Man kann zwischen einem Bronze-, Silber- und Goldpass wählen, welche verschiedene Aktivitäten beinhalten. Man braucht schon ein bisschen Zeit, da sich die Kolonie über ein großes Gelände erstreckt. Wir entschieden uns für den Bronzepass, der eine Führung, den Zutritt zu über 30 Gebäuden und eine Bootsfahrt enthielt. Mit der Eintrittskarte erhält man 2 Spielkarten. Anfangs waren wir etwas verwirrt, aber in der einführenden Ausstellung erklärt sich alles von selbst. Die Spielkarten führen einen zu 2 Sträflingen, mit deren Geschichte man sich dann näher beschäftigen kann. So erfährt man in der toll angelegten Ausstellung woher die Sträflinge kamen, was sie verbrochen haben (das waren teilweise so banale Dinge wie ein paar geklaute Lebensmittel, was nicht heißen soll, dass das bei allen so belanglose Straftaten waren) und wie ihr Leben in Port Arthur aussah.

Heiko legt sich schonmal selbst Ketten an...




Die ganze Anlage wurde von Sträflingen gebaut. Schon beeindruckend. Leider wurde bei einem Feuer Ende des 19.Jh. viel zerstört...
Ich bin mal so frei und kopiere ein paar Details über die Kolonie aus Wikipedia:
Von 1833 bis in die 1850er Jahre war es der Ort, an den Großbritannien diejenigen Sträflinge mit den höchsten Strafen schickte. Außerdem wurden aufsässige Häftlinge anderer Gefängnisse hierher entsandt. Es hatte sich die Meinung entwickelt, dass die körperliche Bestrafung, die bisher in anderen Gefängnissen praktiziert wurde, die Sträflinge nur verhärte und keinesfalls in gewünschter Weise von ihrem Weg abbringe.
Dies führte in Port Arthur zum Bau des Modell Prison, in welchem ein System der stillen Strafe praktiziert wurde. Zu jeder Zeit hatte absolute Ruhe zu herrschen. Sowohl Insassen als auch Wärtern war das Sprechen über das notwendige Maß hinaus verboten.





Im Sommer stellen ein paar Schauspieler die Gefängnissituation von damals in kleinen Aufführungen nach...


Sogar beim obligatorischen Kirchbesuch wurden die Häftlinge einzeln in die Kapelle geführt, in der sich Kabinen befanden, die den Blick- und Körperkontakt mit anderen Insassen unterbanden. Die Ruhe sollte den Gefangenen die Möglichkeit geben, über ihre Taten nachzudenken und diese zu bereuen. Port Arthur war eines der sichersten Gefängnisse seiner Zeit. Hierfür sorgte nicht zuletzt die natürliche Lage der Halbinsel. Sie ist von der Tasmansee umschlossen und nur über eine sehr schmale Landbrücke mit dem Festland verbunden. Über die Breite dieser Landbrücke wurde ein Zaun gezogen. Außerdem wurden Hunde an Pflöcken angebunden, wodurch ein Entkommen der Häftlinge unmöglich gemacht werden sollte. Einige Insassen wurden dadurch dennoch nicht von Fluchtversuchen abgehalten. Aufgrund der absurden Umstände ist der Fluchtversuch von Billy Hunt wahrscheinlich der berüchtigtste. Hunt verkleidete sich selbst als Känguru und versuchte die Flucht über Eaglehawk Neck. Die Verkleidung war so gut, dass die hungrigen Wachen versuchten das vermeintliche Känguru zu schießen, woraufhin sich Hunt ergab.

Heiko predigt zu den Sträflingen...


Die oben erwähnten Kabinen, die den Kontakt unter Sträflingen unterband.




Trotz der teilweise grausamen Geschichte, wirkt die Kolonie durch die idyllische Lage und das Fehlen von Absperrungen nicht wirklich bedrohlich. Die Angestellten wohnten in recht komfortablen Häusern und es gab, typisch britisch, wieder toll gepflegte Gärten...

1996 gab es hier ein Massaker. Ein 29- jähriger Mann lief Amok und tötete 35 Menschen und verletzte 37 weitere. Das Café, in dem dies geschah, wurde abgerissen und stattdessen ein Erinnerunggarten eingerichtet.



Die letzten Tage auf Tasmanien verbrachten wir in Hobart. Während ich noch ein letztes Mal in Australien shoppen ging, beobachtete Heiko, wie im Botanischen Garten ein Kurzkopfbeutler (Biologen korrigiert uns, wenn das falsch ist ;-) ausgewildert wurde. Ich finde ja, dieses Tier sieht aus, als hätten sich ein Koala und eine Katze mal ganz doll lieb gehabt ;-)



Von Hobart flogen wir nach Melbourne, wo wir eine Nacht im Flughafenhotel verbrachten. Wir haben es geschafft, unser Gepäck so zu verteilen, dass wir zusammen genau 39,9 kg hatten (40 kg waren erlaubt). Dafür hatte unser Handgepäck jeweils 2- 3 kg zuviel. Da wollte dieser Tigerairways- Mitarbeiter doch tatsächlich, dass wir ihm ein Handgepäck von 7 kg basteln und auf die Waage stellen, auch wenn wir danach alles wieder einpacken konnten...muss man nicht verstehen, aber uns war es auch egal, solange wir alles mitnehmen konnten. Man darf wohl auch nicht zuviel erwarten, wenn man schon mit Billigairlines fliegen will . Am nächsten Tag ging es dann direkt weiter nach Neuseeland, aber dazu später mehr...
Nun sagen wir erstmal bye, bye Australia!

3 Kommentare:

  1. Na, habt' Ihr noch kein Heimweh ???
    Nun ja, in Berlin haben wir gerade mal 1 Grad...
    Nur die Schneeglöckchen sieht man schon und die
    Christrose zeigt ihre Blüten.
    Ich bin gespannt, wie Euch Neuseeland gefällt.

    Aus Kaulsdorf grüßt Karin.

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  2. Und endlich wieder News from Downunder! Die Pflastersteine sehen ja wirklich cool aus. Die Strafkolonie ist auch sehr interessant. Mußte Heiko dableiben oder ist Euch zusammen die Flucht gelungen? ;-)) Wer dazu mal was lesen möchte: Marcus Clarke "Lebenslänglich"!
    Das Tierchen auf dem Baum sieht am ehesten nach Koala aus. Aber wenn's keiner ist, muß ich passen ...
    Schöne Weiterreise & LG
    Birgit

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  3. Wenigstens wird vor den kleinen Teufelchen auf der Straße gewarnt, hier in Deutschland steht höchstens mal ein Schild für Kühe oder Rehe aber nicht für kleine Tiere, das scheint egal zu sein. Viele Grüße, Georg

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