Nach einer Übernachtung in Wanaka, einer Stadt, die wie Queenstown als Ausgangspunkt für viele Outdooraktivitäten dient, machten wir uns auf den Weg zur Westküste. Hierbei ändert sich die Landschaft während der Fahrt merklich. Man passiert eine Wetterscheide, so dass die kargen Berge verschwinden und einem üppigen grünen Regenwald Platz machen. Nach dem Motto "Kennst du einen, kennst du alle" ließen wir den Fox Glacier aus und begaben uns direkt zum Franz Josef Gletscher. Dieser 12 km lange Gletscher wurde 1865 von dem deutschen Julius von Haast nach Franz Josef I. von Österreich benannt.
Da man auf eigene Faust nur an den Fuß des Gletschers kommt, buchten wir auch hier wieder eine Tour. Eine einfache Gletscherwanderung war uns jedoch nicht genug...Ice Climbing sollte es sein. Also mussten wir zur Abwechslung mal richtig früh aufstehen und begaben uns zum Büro der Galcier Guides. Dort erwarteten uns die zwei Guides AJ und Joe. AJ sprach einfach unglaublich schnell und war kaum zu verstehen. Und auch Joe, bei dem sich nicht nur der holländische Akzent im Englischen, sondern auch noch ein tonisches Stottern auf die Verständlichkeit auswirkte, machte es uns nicht leicht.
Zunächst wurden wir und die sechs anderen Teilnehmer mit dem notwendigen Equipment ausgestattet. Jeder hatte seinen Rucksack selbst zu packen. Mit dem Bus fuhren wir dann zum Gletscher.
An dieser Stelle fragte uns Joe, wie weit wir die Entfernung bis zum Gletscher schätzen würden. Es sah wirklich nicht weit entfernt aus, aber waren immerhin 2,5 km.
Also los....
Eine bunt gemischte Truppe mit einer Irin, drei Engländern, einem Dänen, einer Schweizerin und uns.
Ja, alles richtig packen...
Ab dieser Stelle darf man nur noch mit einem Guide weiterlaufen. Unter dem Geröll befindet sich bereits der Gletscher. Die Überquerung dieses Bergs war die erste Höchstleistung, die uns an diesem Tag abverlangt wurde, denn es ging einfach steil nach oben und der Schutt machte das Laufen genauso wenig leichter, wie der schwere Rucksack auf den Schultern. Da fragt man sich doch, warum man so viel Geld dafür bezahlt, gequält zu werden. Das Geld müsste doch zumindest für einen Muli reichen ;-)
Aber irgendwann waren wir über den Berg und nun hieß es: Ausrüstung anlegen. Dazu gehörten Regenhose, Regenjacke, Mütze, Handschuhe, Gurt, Schuhe, an denen man die Steigeisen befestigen kann, und natürlich ein Helm.
Es kann losgehen...
Mit Steigeisen zu laufen muss auch erstmal geübt werden. Heiko hatte das ja letztes Jahr in Norwegen bereits versucht, aber wenn man das erste Mal solche Dinger an den Füßen hat, muss man schon Vertrauen haben. Nach einem kurzen Fußmarsch kamen wir an der Eiswand an, an der wir klettern wollten...
AJ und Joe präparierten die Wand und befestigen die Haken und Seile.
Tja, und dann kam die Frage: "Wer will anfangen?" Verlegenes Schweigen...Heiko meldet sich...puh! Naja und da ich neben ihm stand, wurde ich auch gleich noch rangeholt, schließlich gab es ja zwei Stellen zum Klettern. Keinen Plan davon, wie man da hoch kommt, legten wir los. Mit zwei Eispickeln, die nicht ohne Grund auf einer Seite gepolstert sind, damit man sich nicht die Zähne raushaut, ging es los. Natürlich ist man durch ein Seil gesichert. Man muss zunächst ein Gefühl für das Material bekommen und eine Meeeenge Vertrauen in selbiges haben. Völlig fertig kamen wir oben an. Unserer erster Reflex war, über die Kante zu klettern und wieder runter zu laufen, aber natürlich seilt man sich ab. Das hatte uns nur vorher keiner gesagt ;-)
Danach waren die Anderen dran und wir konnten uns erstmal wieder erholen.
Heiko mit Engelchen und Teufelchen ;-)
Ein Tipp von AJ für Heiko war, die Wand, die ich zuvor erklommen hatte, mit nur einem Eispickel zu versuchen, denn so wäre Heiko mehr gezwungen, seine Beine einzusetzen und sich weniger mit den Armen hochzuziehen. Also los...diesmal konnte ich fotografieren.
Geschafft!
Und wieder abseilen...
Die Wand war übrigens ca. 15 m hoch. Wenn ich weiter so mache, therapiere ich noch meine Höhenangst weg, wobei das Abseilen für mich der schlimmste Part war...ich durfte halt nur nicht nach unten gucken...
Ich versuchte mich an der gleichen Wand nochmal. Diesmal ging es so viel leichter und ich hab bestimmt nur die Hälfte der Zeit gebraucht.
Oben!
Heiko versucht sich an der schwierigsten Wand, die kaum Vorsprünge oder Taschen zum Einhaken bietet und zudem einen Überhang hat...ein echter Kraftakt!
Und nun nochmal ich. Es sieht als Außenstehender so einfach aus, aber wenn man an dieser Wand hängt und die Arme kaum noch spürt, ist es alles andere als das. Ich weiß nicht, wie oft ich abgerutscht bin, bevor ich über die Kuppe rüberkam...
So sieht es dann aus, wenn man abrutscht...dann hängt man da ;-)
Nach über 5 Stunden klettern, machten wir uns wieder auf den Rückweg. Diesmal gab es noch eine Gletscherführung.
Natürlich laufen wir nur auf präparierten, sicheren Wegen...
Nach 9 Stunden sind wir wieder zurück im Ort. Alle sind völlig fertig und wissen schon genau, wo sie am nächsten Tag Muskelkater haben werden. Ich belohne mich mit einem Besuch in den Franz Josef Hot Pools...die perfekte Wahl nach so einem Tag auf dem Eis. Trotzdem ist der Muskelkater bei uns beiden am Folgetag so schlimm, dass selbst das Lenken beim Auto fahren weh tut. Nichtsdestotrotz war dieser Ausflug eines meiner größten Highlights dieser Reise und wir werden bestimmt bald mal wieder klettern gehen, wenn auch nicht auf einem Gletscher :-)
einfach nur unglaublich! da seid ihr ja für den nächsten winter in berlin perfekt vorbereitet! genießt die letzten wochen am anderen ende der welt! liebste steffigrüße :)
AntwortenLöschenCool! Und zwar Ice-cool!! Wie winzig die kleinen Menschlein auf dem Riesenbatzen Eis rumkrabbeln ... Das war auf jeden Fall ein Erlebnis, das Ihr nie vergessen werdet. Schreibt doch bitte mal, wieviel Grad Ihr dort auf dem Eis hattet. Das obere Ende bleibt ja wahrscheinlich Melbourne mit 41°C. Und was gibt es im Gebirge dort für Tiere? Den Bildern vom Segeln nach, ist es ja eher karg auf der Ostseite, oder?
AntwortenLöschenSchöne Grüße auch von Omi, die gerade hinter mir am Spielen war und nun gleich mitgelesen hat.
Ach, kältetechnisch geht bei uns diese Woche auch nochmal Väterchen Frost um - nächste Nacht in Berlin bis -12°C (in Moskau -36°C!)!
Kuschelwarme Grüße von Omi und Birgit
Respekt, Respekt !!! Ich bewundere Euch.
AntwortenLöschenIch hoffe, dass es Euch gut geht und Ihr Eure restliche Zeit am 'Ende ' der Welt genießen könnt.Hier beunruhigen die Nachrichten über das erneute Erdbeben. Paßt' auf Euch auf und eine glückliche Heimreise wünscht Karin aus Kaulsdorf.
Oh mein Gott, ich wäre wahrscheinlich selbst zum Gletscher erstarrt vor Ehrfurcht und ein -aber wirklich nur klitzekleines- bißchen Schiss ;-) Unglaublich, bin begeistert von eurem Mut! Viele Grüße von Jana kurz vor dem Nachtdienst
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